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Asfa-Wossen Asserate

 
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JAH-Soldier



Anmeldungsdatum: 25.05.2006
Beiträge: 176

BeitragVerfasst am: 08.01.2007, 23:56    Titel: Asfa-Wossen Asserate Antworten mit Zitat

hier ein (wie ich finde) interessantes interview mit dem großneffen von Haile Selassie I, Asfa-Wossen Asserate. es wurde letztes jahr in der RIDDIM abgedruckt.
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ASFA-WOSSEN ASSERATE
Prinz von Äthiopien

Text von Markus Hautmann

Haile Selassie ist nicht der Lion of Judah, seine Anbetung als Gott ist Sünde, das biblische Äthiopien hat mit dem heutigen Territorium wenig gemein – für viele wohl etwas ungewohnte Aussagen, die jedoch aus berufenem Munde stammen: von Haile Selassies Großneffen Asfa-Wossen Asserate, dem Prinzen von Äthiopien, der seit vielen Jahren deutscher Staatsbürger ist. All das und noch einiges mehr erzählte er Markus Hautmann im Gespräch.
Viel ist über Haile Selassie (1892-1975), den letzten äthiopischen Kaiser, geschrieben worden, über sein Leben, sein Wirken. Die Rastas verehren ihn als Gott, seitdem er am 2. November 1930 in Äthiopien zum Kaiser gekrönt wurde. Selassie gilt als 225ster Nachfahre der königlichen Linie Davids und somit als direkter Erbe des König Salomons und der Königin von Sheba. Er sicherte Äthiopien den Eintritt in den Völkerbund, brachte dem Land die erste schriftliche Verfassung, war Mitbegründer der Organisation für afrikanische Einheit und reiste für die Belange Äthiopiens in Dutzende von Länder. Dennoch war er nicht unumstritten. Kritiker stoßen sich an seiner Flucht ins Londoner Exil während der italienischen Invasion Äthiopiens 1935 (erst 1941 kehrte er ins Land zurück) und vor allem an seiner Untätigkeit während der verheerenden Hungersnot Anfang der 70er. Man warf dem Kaiser vor, sich von seinem Volk entfremdet zu haben. 1974 wurde er gestürzt, er verstarb wenige Monate später.

Als Reggae-Hörer kennt man natürlich Haile Selassie, man weiß um seinen Stellenwert bei den Rastas, antwortet auf Konzerten auf das Stichwort „Jah“ gerne mal lauthals mit „Rastafari“ und kann in aller Regel sogar den Wortlaut der Prophezeiung zitieren, mit der der jamaikanische Nationalheld Marcus Garvey die Kaiserkrönung vorhergesagt haben soll: „Look to Africa where a black King shall be crowned“. Damit hat man den vermeintlich uneingeweihten Eltern und älteren Verwandten aber nicht viel Wissen voraus. Spätestens seit seinem Staatsbesuch im nach internationaler Anerkennung lechzenden Nachkriegsdeutschland im Jahr 1954 war der äthiopische Kaiser hierzulande ein household name. Umgekehrt genoss Deutschland in Äthiopien eine hohe Wertschätzung, da es eine der wenigen Nationen war, die gegen die Besetzung des Landes durch Italien eintraten.

So kam es, dass ein Großneffe des Kaisers, Asfa-Wossen Asserate, als einer der ersten Äthiopier am deutschen Gymnasium in Addis Abeba sein Abitur machte und 1968 zum Studium nach Tübingen kam. Nach einem Studienaufenthalt in Cambridge ging Asserate zurück nach Deutschland und promovierte 1978 in Frankfurt zum Dr. phil. in Geschichte. 1980 wurde er zum Pressechef der Frankfurter Messe berufen, seit 1983 ist er Unternehmensberater für Afrika und den Mittleren Osten. Er lebt bis zum heutigen Tag in Frankfurt. Trotz der langen Zeit in der fernen Diaspora blieb Asserate seinem Heimatland mit Leib und Seele verbunden. 1974 gründete er das "Council for Civil Liberties in Ethiopia", um international auf die kommunistische Diktatur in Äthiopien aufmerksam zu machen. Seit 1994 widmet er sich mit der Organisation "Orbis Aethiopicus" dem Erhalt und der Förderung der äthiopischen Kultur.

Damit jedoch nicht genug der Meriten. 2003 veröffentlichte Asserate das Buch „Manieren“ (Eichborn Verlag), eine amüsante Bestandsaufnahme historischer und gegenwärtiger Sitten und Gebräuche, das sich augenzwinkernd mit „Problemfeldern“ wie der Ehre, dem Handkuss oder der Hochzeit beschäftigt. Das Buch hielt sich mit mittlerweile weit über 150.000 verkauften Exemplaren monatelang in den Spitzenregionen der Bestsellerlisten und heimste Ehrungen und Preise en masse ein. Wer sollte also besser geeignet sein, über Haile Selassie und Äthiopien zu berichten unter gleichzeitiger Berücksichtigung einer westlichen, wenn nicht sogar deutschen Perspektive?

Nun ist es ja eigentlich so, dass man als Reggae-Journalist den Umgang mit Würdenträgern gewohnt ist. Oft genug ist das Gegenüber von militärischem Rang (General, Sergeant etc.) oder gar aristokratisch betitelt. Vom Earl (16) bis hin zum König (King Yellowman). Ein leibhaftiger Prinz spielt dann aber doch noch einmal in einer anderen Liga, was unmittelbare Auswirkungen auf die Entspanntheit des Interviewers zeitigt. Umso mehr, wenn man im Begriff ist, dem anerkannten Manieren-Papst (eine Bezeichnung, die Asserate übrigens nicht für sich verwendet sehen möchte, wobei die Alternative „Manieren-Gott“ aus später leicht nachvollziehbaren Gründen aber auf noch größeren Protest stößt.) höchstpersönlich gegenüber zu treten, ohne sein Werk mit Ausnahmen weniger Auszüge gelesen zu haben. Ob Muttis Erziehung ausreichen wird, um mich vor einem unbeabsichtigten Fauxpas zu bewahren? Andererseits: Nicht auszudenken, hätte ich beispielsweise den Hinweis „In meiner Heimat Äthiopien gehört der Vollrausch zu einem Gelage, das diesen Namen verdient“ aus dem Kapitel „Betrunken sein“ bereits gekannt, hätte ihn im Übereifer streberhaft befolgt und wäre dementsprechend präpariert erschienen...Alles unbegründete Sorgen. In der Lobby des Bayerischen Hofs in München grüßt mich ein freundlicher, zutiefst sympathischer Mann: „Vielen Dank für Ihr Kommen. Ich freue mich sehr, dass ich Ihnen von meinem Heimatland erzählen darf. Bitte fragen Sie.“ Na denn.

Herr Asserate, Sie leben seit 1968 mit wenigen Unterbrechungen in Deutschland, besitzen mittlerweile auch die deutsche Staatsbürgerschaft. In „Manieren“ bezeichnen Sie sich als ein „deutscher Äthiopier, vielleicht sogar ein äthiopischer Deutscher“, das Buch beginnt gar mit der Widmung „Dieses Buch ist Deutschland, dem Land das mir Zuflucht gewährt hat, und meinen deutschen Freunden in Dankbarkeit gewidmet“. Dennoch zieht es Sie zumindest auf lange Sicht zurück nach Äthiopien, in die äthiopische Politik.

Auf jeden Fall. Es kann meiner Ansicht nach nicht mehr so weiter gehen. Das äthiopische Volk wartet seit 30 Jahren auf eine Demokratisierung, auf eine freie Marktwirtschaft. Es wartet letztlich darauf, dass endlich die Ziele derer, die 1974 aufgestanden sind, auch in die Tat umgesetzt werden. Was wollte das äthiopische Volk von der kaiserlichen Regierung haben? Es wollte Reformen im Sinne einer Landreform, es wollte Reformen im Sinne einer Verfassungsänderung, es wollte, dass Äthiopien eine Zukunft bekommt, die man ihm schon seit vielen, vielen Jahren versprochen hatte und dass endlich die Entwicklung des Landes stattfindet. Aber was ist letztendlich daraus geworden? 30 Jahre später ist der äthiopische Bauer immer noch Pächter. Er ist immer noch nicht der Herr des Landes, das er bebaut. Das war der größte Slogan der Studenten, damals 1974: "Das Land dem, der es bebaut." Doch das ist leider bis heute noch nicht geschehen. Das einzige, das man gemacht hat war, die Großgrundbesitzer zu verjagen, an deren Stelle dann der Staat trat. Der einfache Mensch ist aber immer noch kein Grundbesitzer.

Welche Chancen rechnen Sie sich politisch aus?

Wissen Sie, in Afrika kann man nie genau wissen, wie es mit der Politik aussieht. Ich werde mein Bestes geben, dem äthiopischen Volk früher oder später eine Alternative anzubieten, die es in den vergangenen 30 Jahren nicht hatte. Und dann werden wir sehen. Ich muss in der Lage sein, das, was ich verspreche, auch in die Tat umzusetzen. Wenn ich dann tatsächlich in der Lage bin, dies zu tun, dann werde ich das äthiopische Volk mit meinen Ideen konfrontieren. Früher nicht. Wann genau das sein wird, weiß nur der liebe Gott.

„Lieber Gott" bzw. in diesem Falle eher "Jah" ist das Stichwort. Was haben Sie mitbekommen von der Verehrung Ihres Großonkels? Wann kam das auf? Wann erfuhr Haile Selassie davon?

Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich gehe aber davon aus, dass er das schon in den 30er Jahren wusste, denn es gab da ja bereits Kontakt zu Marcus Garvey. Während des Krieges. Und bereits in den 50er Jahren hat er den Rastas Land gegeben, in Shashamane. Er war sich all dessen also schon sehr, sehr lange gewahr. Ich selbst, muss ich gestehen, erfuhr davon erst, als ich bereits in Deutschland lebte. Das war 1968.

Wie stand Haile Selassie dazu? Er selbst betrachtete sich ja nicht als Gott.

Ich tue das übrigens auch nicht. Und das tut auch kein einziger Äthiopier. Das ist es, was ich unseren Rasta-Brüdern und Rasta-Schwestern wirklich als Nachricht mitgeben möchte: Wenn sie wollen, dass die Äthiopier sie als Brüder und Schwestern akzeptieren - und glauben Sie mir, viele, viele Äthiopier wollen das tun- dann müssen sie von der Position, dass Haile Selassie Gott ist, abrücken. In Äthiopien gibt es keinen einzigen Menschen, der daran glaubt. In Äthiopien gibt es Moslems und Christen. Es ist eine Beleidigung beider Religionen, einen von Gott geschaffenen Menschen als Gott zu bezeichnen. Der Kaiser hat das selber gesagt, mehrmals: "Ich bin nicht Gott. Ich bin kein Prophet. Ich bin ein Sklave Gottes.“ Insofern ist meine größte Hoffnung, dass unsere Brüder und Schwestern bei den Rastas eine modifizierte Version herausbringen. Warum machen sie ihn nicht zu einem Heiligen? Jeder Heilige war ein Mensch. Damit kann sich jeder Äthiopier anfreunden. Diese Position wäre akzeptabel. Aber vergessen Sie nicht: Wir sind alle sterblich. Eines Tages werden wir vor unserem Schöpfer stehen. Was wollen wir ihm denn dann sagen? "Wir haben das wichtigste Gebot, dass Du uns gegeben hast, gebrochen?" Nein, das wird kein Äthiopier tun.

Dennoch gibt es Rasta-Communities in Äthiopien.

Immer mal wieder gab es Rasta-Abordnungen, die nach Äthiopien gekommen sind. Ich selbst habe in Äthiopien aber keine Rastas kennen gelernt. Erst als ich dann schon in Europa war. Heute bin ich glücklich, dass ich solche Leute wie Iqulah (Präsident der Ethiopian World Federation) kenne. Ein Mann, den ich ganz besonders schätze, ein Mann, der Visionen hat, ein Mann, der auch das panafrikanische Element innerhalb der Rasta-Bewegung wirklich von Herzen forciert. Da sehe ich die Zukunft, im Panafrikanismus. Ich wünsche mir, dass die Rastas aufstehen und sagen: "Wir wollen ein einheitliches Afrika, wir sind Afrikaner, lasst uns diesen panafrikanischen Gedanken auch in die Karibik bringen, in die Vereinigten Staaten und überallhin, wo es schwarze Menschen gibt,“ um zu zeigen, dass dieses Ideal auch ein wesentlicher Grundbestandteil der Rasta-Bewegung ist.

Glauben Sie denn, dass die Rasta-Bewegung irgendeinen Einfluss haben kann auf die Belange der Schwarzen, auf Afrika. Gibt es denn hier überhaupt eine Rolle für Rasta?

Auf jeden Fall, auf jeden Fall. Zu einem Zeitpunkt, an dem der Tribalismus in Afrika leider Gottes wieder aufblüht, sind die Ideale der Rasta-Bewegung, der Rastas, die gleichen, wie sie die Gründungsväter der Organisation der afrikanischen Einheit schon 1963 hatten. Die Rastas sind diejenigen, die diesen panafrikanischen Gedanken immer noch in sich tragen, immer noch in die Welt hinausbringen und diesbezüglich letzten Endes auch Missionarsarbeit leisten. Ich finde, dass dies sehr wichtig ist. Man kann den Tribalismus nur mit Panafrikanismus bekämpfen.

Ist es denn überhaupt möglich, Afrika zu einen? Das ist doch nur eine unrealistische Idealvorstellung Außenstehender, die denken, Afrika sei ein mehr oder weniger homogenes Gebilde wie etwa ein europäischer Kleinstaat.

Natürlich wissen wir beide, wie schwer es ist, dieses Ideal wirklich zu verfolgen. Aber wenn man es vielleicht auch nicht ganz schafft, so muss man zumindest versuchen, diese schlimmste Seuche, die es in Afrika überhaupt gibt, eben den Rassismus, den Tribalismus, den ich als die Hauptgefahr für den Untergang dieses Kontinents ansehe, zu bekämpfen. Aber wir müssen nach diesem Ideal streben. Ob wir es jemals erreichen werden, ist dann wieder etwas anderes. Es lohnt sich aber, dieses Ziel zu verfolgen.

1966 besuchte Ihr Großonkel Jamaika. Die Hysterie bei den Rastas war so groß, dass sie zu Tausenden den Flughafen von Kingston bevölkerten. Haile Selassie traute sich beim Anblick der vermeintlich wilden Meute gar nicht die Gangway hinunter.

Ich habe von Leuten, die bei ihm waren, erfahren, dass von anderen Inseln Soldaten angefordert werden mussten, um ihn aus dem Flugzeug rauszuholen, weil die Leute das Flugzeug einfach überrennen wollten. Ein Minister, der bei dem Kaiser war, sagte mir, keiner hätte so was vorher schon jemals erlebt und so war dieser Jamaikabesuch anfangs wohl schon etwas beängstigend. Es gab aber wohl kaum eine andere Reise – und der Kaiser war ja dafür bekannt, praktisch jedes Land der Welt bereist zu haben –, die ihn dermaßen erfreut und beeindruckt hatte. Er ließ daraufhin ja auch zwei Kirchen in der Karibik bauen. Eine in Jamaika und eine in Trinidad & Tobago. Auch als Antwort auf die Frage, die man ihm gestellt hat: Wer bist Du? Um zu zeigen: "Ich will meinen Glauben mit euch teilen, das ist mein Gott und ich hoffe, dass ihr diesen Gott mit mir zusammen anbetet." Aber ich muss leider sagen, dass auch die getauften Rastas, selbst die, die in Jamaika, in der Kirche, die ihnen der Kaiser geschenkt hat, getauft sind und dort auch die Lehre der orthodoxen Kirche Äthiopiens mitbekommen haben, später diese grundsätzliche Frage der Gottheit einfach irgendwie falsch verstanden haben. Zwar kann ich sie manchmal durchaus verstehen, denn es besteht eine große Verwechslungsgefahr in der Übersetzung des Namens Haile Selassie und in der Frage der Trinität. Sie glauben, weil er diesen Namen hat, ist er ein Teil der Trinität, was natürlich nicht stimmt. Wissen Sie, jeder Äthiopier bekommt bei der Taufe einen zweiten Namen. Dieser Name wird nur gebraucht, wenn sie gekrönt werden, wenn sie heiraten und wenn sie sterben. Das ist der sogenannte christliche Name. Ich heiße zum Beispiel mit christlichem Namen "Der Sohn der heiligen Jungfrau", weil ich an einem Marientag, einem Festtag, geboren bin. Das würde ja nach obiger Logik bedeuten, dass ich der Sohn der heiligen Jungfrau wäre, also Jesus. Ich könnte also sagen, ich sei Jesus. Das sind aber Missverständnisse, die aus dem Nichtwissen über die theologische Kultur Äthiopiens herrühren. Ich denke, dies ist eines der Probleme. Ich bin auch der Meinung, dass, wenn man sich schon so mit einem Land und seiner Kultur identifiziert, wie unsere Rasta-Brüder und -Schwestern das tun, dann sollte man sich auch ein bisschen um die Theologie kümmern. Die Rastas müssten sich intensiver mit kirchlichen Leuten unterhalten, mit ihnen Dialoge führen, auch über die Frage der Gottheit Haile Selassies, sie müssten mit gelehrten Leuten diskutieren. Wissen Sie, meine große Angst ist, dass wenn sie so weitermachen, man in Äthiopien eines Tages andere Maßnahmen ergreifen wird, weil man sagen wird: Wir können diese Blasphemie nicht mehr ertragen. Das wird unsere Kinder ruinieren und wir müssen uns davor schützen. Ich möchte nicht, dass es in Äthiopien zu solchen Maßnahmen kommt, ich möchte, dass unsere Brüder und Schwestern aus der Rasta-Bewegung immer nach Äthiopien kommen können und sich hier zuhause fühlen. Ich wünsche mir eine engere Bindung und diese Bindung kann nur entstehen, wenn wir in der Frage der Göttlichkeit Haile Selassies eine Kompromisslösung finden. Ich möchte den Rastas aber auch sagen, dass ich sie als Teil unseres Landes sehe, ich sehe sie als Teil unserer großen Kultur und Äthiopien ist auch das Land der Rastas. Auch in den schlimmsten Zeiten waren es die Rastas, die den Namen und die Flagge Äthiopiens immer wieder in den Vordergrund gestellt haben. Da kann ich nur sagen, dass sie damit Äthiopien einen ganz großen Dienst erwiesen haben. Ich bin dankbar und ich möchte, dass alle Rastas wissen, dass Äthiopien auch ihr Land ist.

Betrachten Sie den Rastafarianismus überhaupt als Religion?

Es fällt mir natürlich schwer, den Rastafarianismus als Religion zu bezeichnen. Da er von Gott handelt, ist er in gewissem Sinne natürlich eine Religion. Aber er hat nicht die formalen Seiten einer Religion. Es ist ja auch nirgends 100%ig niedergeschrieben, warum Haile Selassie verehrt wird. Das interpretiert jeder anders. Man nimmt gewisse Stellen aus dem Alten Testament und sagt, hier sei von Haile Selassie die Rede. Bei allem, was sich auf Äthiopien bezieht. Ich habe große Probleme damit zu glauben, dass das Äthiopien, das in der Bibel genannt wird, das Äthiopien von heute sein soll. Das, was die Griechen als Äthiopien bezeichnet haben, ist der Teil von Afrika, den sie damals gekannt haben. "Aethiopia" heißt ja auf Griechisch nichts anderes als "das Land der gebrannten Gesichter". Das Afrika, das sie kannten, hört ja beim Roten Meer auf. Insofern ist es schwierig, direkte Beziehungen zwischen dem biblischen und dem heutigen Äthiopien herzustellen.Und bei der Nennung des Löwen von Juda heißt es dann immer, das sei Haile Selassie. Wobei wir alle wissen, wer der wirkliche Löwe von Juda ist. Das ist Jesus Christus. Doch das ist ja nicht der Titel der äthiopischen Kaiser. Das ist ein Missverständnis. Die Europäer hatten das falsch verstanden. Im Mittelalter schrieben die äthiopischen Kaiser an verschiedene europäische Königshäuser. Die Briefe fingen an mit: Der Löwe von Juda wird siegen. Das heißt aber nichts anderes als: Ich bin Christ. Jesus wird siegen. Da die Europäer ihre Briefe aber immer mit der Nennung der eigenen Titel begannen, also mit "XY der II., Kaiser von..., König von..., Graf von...", dachten sie, der äthiopische Briefkopf trüge den Titel des Kaisers und fingen dann an, ihn den Löwen von Juda zu nennen.

Äthiopien ist zu einem großen Teil ein muslimisches Land...

Ja, viele Leute wissen nur, dass Äthiopien eines der ältesten christlichen Länder der Welt ist. Was sie nicht wissen ist, dass Äthiopien die älteste muslimische Gemeinde außerhalb Mekka und Medina hat. Denn im Jahre 625 hat der damalige äthiopische Kaiser die ersten muslimischen Flüchtlinge akzeptiert und ihnen Zuflucht gewährt. Deshalb ist Äthiopien vom Propheten Mohammed als heiliges Land anerkannt und gesegnet worden. Von ihm ist auch Äthiopien als einziges Land der Welt vom Dschihad ausgenommen worden. Er hat gesagt: Lasst Äthiopien in Ruhe und kein Moslem dürfte demnach seine Hand gegen das Land erheben. Leider haben seine Gefolgsleute das aber nicht immer beherzigt und Äthiopien ein ums andere Mal attackiert. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts leben wir aber in friedlicher Koexistenz mit unseren muslimischen Brüdern und Schwestern. Das ist etwas, worauf ich sehr stolz bin. Ich kann nur hoffen und beten, dass der Fundamentalismus, den wir derzeit überall auf der Welt erleben, nicht eines Tages auch Fuß in Äthiopien fasst. Bis jetzt gibt es gottlob noch keine großen Vorzeichen und man kann nur hoffen, dass das auch niemals der Fall sein wird.

Anderes Thema, aber nicht minder wichtig: Welche Musik hören Sie denn?

Ich höre sehr gerne klassische Musik, bin ein großer Verehrer von Mozart, aber ich höre auch sehr gerne Musik aus den 20er und 30er Jahren, Jazz, vor allem den früheren Jazz. Und ich muss Ihnen sagen, ich höre sehr, sehr gerne Calypso, der ja eine Art Vorläufer von Reggae war, wenn ich das richtig sehe. Ich höre aber auch einige Reggae-Künstler sehr gerne. Iqulah, wie schon erwähnt und dann diesen Jungen, der mit Bob Marley zusammen war... Junior Murvin. Den habe ich auch sehr gerne.

Was ist das für ein Gefühl, wenn im Reggae ein Großteil der Songs inhaltlich von der eigenen Familie handeln?

Es ehrt einen natürlich sehr. Es ehrt einen sehr. Als gläubiger Christ bin ich da aber natürlich sehr vorsichtig. Ich muss immer wieder aufpassen, dass das nicht zur Blasphemie wird. Das ist immer die Gefahr, wenn man über Haile Selassie spricht: Wie großartig er war, wie gütig er war, der Begründer der afrikanischen Einheit, seine Position als der Erneuerer Äthiopiens. Seine Stellung als einer der ersten Feinde des Faschismus auf dieser Welt. All diese Sachen sind schön und gut. Dass man ihn aber gottgleich macht, ist etwas, was ich persönlich nicht akzeptieren kann.

Waren Sie schon einmal in Jamaika?

Nein, leider noch nicht. Ich möchte aber unbedingt hin. Aber wie Sie sich sicher vorstellen können, habe ich natürlich Angst. Ich muss mit meinem Gewissen heftig kämpfen, denn ich möchte dort nicht als Verwandter Gottes gelten. Das ist für mich eine große Last, die mich bis jetzt davon abgehalten hat, nach Jamaika zu reisen. Ich bin zwar ein schlechter, aber ein gläubiger Christ und ich nehme meinen Glauben sehr ernst. Für mich sind äußerliche Formen sehr wichtig, äußerliche Stellungnahmen auch. Dass ich dann womöglich der Eitelkeit wegen gegen meinen Gott verstoße, davor habe ich Angst. Ich würde so gerne dorthin fahren als ein Bruder, mit dem man so vieles gemeinsam hat. Selbstverständlich ist auch Haile Selassie eine Gemeinsamkeit von uns. Ich habe ja auch gar nichts dagegen, dass man ihm huldigt. Da bin ich 100%ig dabei. Nach 30 Jahren, in denen man seinen Namen durch den Dreck gezogen hat. Es ist für mich eine Labsal zu sehen, mit welchen Augen die Rastas ihn sehen. Mit der Einschränkung eben, dass sie ein kleines Stück zu weit gehen.

Wir haben nun viel über Äthiopien und Afrika gesprochen. Abschließend würde mich interessieren, wie Sie zu weißen Menschen stehen, die sich als Rastas bezeichnen.

Großartig! Jeder Mensch, der die Freiheit im Sinne hat, jeder Mensch, der glaubt, dass Äthiopien die Wiege der Menschheit ist, ist mir willkommen. Letzten Endes ist ein Rasta ja ein Mensch, der sagt "Ich habe eine große Nähe zu deinem Land, ich identifiziere mich mit deiner Vergangenheit, ich identifiziere mich mit deiner Kultur." Was für eine große Tat. Ich bin absolut blind, was die Farbe des Menschen angeht. Was zählt ist seine Tat und seine Aussage, seine Identifikation, nicht aber seine Hautfarbe.

_________________
Psalm14
[6] Ye have shamed the counsel of the poor, because the LORD is his refuge.
[7] Oh that the salvation of Israel were come out of Zion! when the LORD bringeth back the captivity of his people, Jacob shall rejoice, and Israel shall be glad.
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JAH-Soldier



Anmeldungsdatum: 25.05.2006
Beiträge: 176

BeitragVerfasst am: 21.01.2007, 23:08    Titel: Antworten mit Zitat

schade, dass sich hier keiner für zu interessieren scheint...
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ganjamuffin



Anmeldungsdatum: 27.07.2006
Beiträge: 988
Wohnort: awa

BeitragVerfasst am: 21.01.2007, 23:20    Titel: Antworten mit Zitat

werds mir mal durchlesen...aber des is halt mal echt lang^^ und des müsst ich mal am stück lesn
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Das einzig wirklich Wichtige ist unser Bewußtsein. Das Bewußtsein bestimmt die Frequenz, in der wir uns befinden.
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Swiss Nauruan Wailer
Moderator


Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 416
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BeitragVerfasst am: 22.01.2007, 00:52    Titel: Antworten mit Zitat

sehr interessanter artikel...! und asfa-wossen asserate scheint mir eine sehr interessante persönlichkeit zu sein, und auch seine stellungnahme zu dem personen- und gotteskult um seinen grossonkel bei den rastafaris gefällt mir gut... kann ich mich grösstenteils anschliessen...

vielen dank für den guten input! solche beiträge werten das forum wirklich auf, und nicht diese unsinnigen, kindischen kiffen-diskussionen...!

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De heathen back dey 'pon de wall...
Naoero eko dogin.
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Reggae Vogel



Anmeldungsdatum: 11.08.2006
Beiträge: 206
Wohnort: zu Hause (bei HH)

BeitragVerfasst am: 22.01.2007, 13:47    Titel: Antworten mit Zitat

n klasse interview! hat spass gemacht zu lesen und klärt einiges.
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JAH-Soldier



Anmeldungsdatum: 25.05.2006
Beiträge: 176

BeitragVerfasst am: 22.01.2007, 18:53    Titel: Antworten mit Zitat

Swiss Nauruan Wailer hat Folgendes geschrieben:
vielen dank für den guten input! solche beiträge werten das forum wirklich auf, und nicht diese unsinnigen, kindischen kiffen-diskussionen...!


vielen dank für das lob. und schön das ich endlich mal feedback auf dieses interview bekommen habe. ich finde auch das asserate sehr weise worte spricht. liegt in der familie. ich finde es schön, dass er alle religion bzw alle menschen brüder und schwestern nennt. zudem heißt er alle rastas herzlich willkommen. ich finde es nur n bisschen zu krass, dass er sagt die rastas sollen von ihrem glaube an selassie I als gott ablassen. das find ich ein bisschen zu krass...

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Exodus



Anmeldungsdatum: 08.01.2007
Beiträge: 53
Wohnort: Kingston

BeitragVerfasst am: 22.01.2007, 19:14    Titel: Antworten mit Zitat

Finde, dass Interview auch nicht schlecht. Macht einen sympatischen Eindruck, ist tolerant, was will man mehr?

Dass die Rastas nicht mehr direkt an Haile Selassie I glauben sollen, ist wirklich seltsam. Aber abgesehen davon Cool
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rastawomen



Anmeldungsdatum: 01.10.2006
Beiträge: 84
Wohnort: FREIBURG

BeitragVerfasst am: 23.01.2007, 18:45    Titel: Antworten mit Zitat

so sachen kannst du öfter bringen.... it's ok
bless

_________________
CHRIST IS RASTAFARI
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JahInnaJuhLive



Anmeldungsdatum: 24.07.2006
Beiträge: 124

BeitragVerfasst am: 29.04.2007, 22:51    Titel: Antworten mit Zitat

Echt ein starkes Interview. Ich empfinde ihn als Wletoffen und tollerant, außerdem scheint eer mir sympathisch und gut gebildet.ich finde es keines falls Krass das er meint Rastas sollten von ihrer Verehrung JAHs als Gott ablassen . Ich denke jeder christ würde is formulieren.Ansonsten sind die wertigkeiten in Christentum und Rastafarinismus ja nicht so different.

Blessings...

_________________
Jah bless I and I for fighting
-or not!
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Jah



Anmeldungsdatum: 15.04.2007
Beiträge: 196
Wohnort: Bozen, Südtirol, Italien

BeitragVerfasst am: 30.04.2007, 00:02    Titel: Antworten mit Zitat

interessantes interview!!! ich kann mir schlecht vorstellen dass die rastas von ihrem glauben ablassen würden... ich kann aber auch verstehen dass es nicht einfach ist den eigenen onkel als Gott anzusehen...
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